Spiralen

Heute habe ich mich mit Spiralen beschäftigt. Die Spirale ist ein archetypisches Symbol, eine Ur-Form, die zum kollektiven Unbewussten gehört. Eine Form, die die Menschen in ihren Bildern, Darstellungen, Beschreibungen, Geschichten und Mythen schon sehr lange benutzen.

 

Auch die amerikanische Transaktions-Analytikerin Pamela Levin, deren Ausführungen zur theoretischen Basis bei meiner Arbeit im Farbenreich gehören, hat ihr Modell der menschlichen Entwicklungsphasen im Bild einer Spirale veranschaulicht: der Entwicklungsspirale Cycles of Power. In einer im Uhrzeigersinn verlaufenden Spirale hat sie die sieben Phasen des menschlichen Entwicklungsverlaufs aufgereiht, die wir von unserer Geburt aus bis zu unserem Erwachsensein durchlaufen: Sein (Sicherung der Existenz), Tun (Handeln und Initiative ergreifen), Denken (sich emotional und rational positionieren), Identität (Aufbau der Individualität), Geschicklichkeit (Gelingen ermöglichen), Loslösung und Erneuerung (Eigenständigkeit entwickeln) und Recycling (lernen, sich Herausforderungen zu stellen). Pamela Levin geht davon aus, dass wir diese sieben Phasen im Laufe unseres Lebens immer wieder durchlaufen. 

 

Besonders schön sind die Ausführungen im "Buch der Symbole" aus dem Taschen-Verlag, die auch wunderbar zur Counseling-Arbeit passen. Dort ist "die Spirale der Pfad der Konfliktlösung, der eine ausgeglichene Bewegung und eine natürliche Entfaltung ermöglicht. So kann sich eine harmonische Verwandlung vollziehen. Die Spiralprozesse in der Natur bilden eine Sprache, die die mythische Reise, Regeneration und Erwachen evoziert - so wie sich Palmwedel und Blumen zum Licht hin wenden und öffnen indem sie auf eine höhere Stufe steigen. Als Widerspiegelung der Windbahn und wirbelnder Galaxien beschreiben Spiralen einen Pfad des Reisens nicht nur von Schamanen, Genies und Geistern, sondern auch von psychologischer Entwicklung im Allgemeinen, ganz so, als kehrte die innere Entwicklung immer wieder zum gleichen Punkt zurück, jedoch auf einer jeweils anderen Ebene."

 

Eine Spirale zu malen ist einfach! Sie unterliegt keinen perspektivischen Erfordernissen und darf einfach so sein, wie sie entsteht! Sie mit Farbe und Mustern zu füllen macht Spaß! Beim Malen ist etwas Konzentration nötig. Diese Konzentration lässt den Alltag aber für einen kleinen Moment vergessen, in dem wir uns verlieren können. Und schon ist sie da: die kleine kreative Auszeit, die unserem Verstand und unserem Gedankenkarusell eine kleine Verschnaufpause verschafft! Ausprobieren!

 

Spiralen in der Natur, wie bei Farnen oder Palmen und Blumen, die sich im Wachstum aus der Spiralform öffnen und sich entfalten. Dies wünsche ich mir auch für alle Besucher des Farbenreichs: im Tun sich öffnen und entfalten!

 

Quellen:

Lumma, Michels, Lumma: Quellen der Gestaltungskraft, Windmühle, 2009

ARAS: Das Buch der Symbole. Betrachtungen zu archetypischen Bildern, TASCHEN, 2019, 718